Die Epoche des (Reform-)Absolutismus (1700 bis 1848) ist in bildungsgeschichtlicher Hinsicht vor allem durch folgende vier Merkmale charakterisiert:
  1. Das Primarschulwesen erlebte in dieser Epoche eine enorme Expansion, obwohl die von der maria-theresianisch-josephinischen Regierung intendierte Realisierung der allgemeinen Unterrichtspflicht Utopie blieb; parallel dazu erfolgte allerdings in der spättheresianisch-josephinischen Epoche (1773-1790) eine signifikante Reduzierung des sekundären und tertiären Bildungssektors.

  2. Das bis dahin weitgehend der katholischen Amtskirche und den geistlichen Orden überantwortete Bildungswesen wird zur Gänze - von der Trivialschule bis zur Universität - "verstaatlicht" (säkularisiert); in der franziszeisch-vormärzlichen Epoche (1792-1848) ist freilich wiederum eine partielle, insbesondere das niedere Schulwesen betreffende Reklerikalisierung des Schulwesens und der Schulaufsicht zu konstatieren.

  3. Die "Verstaatlichung" des Bildungswesens ist mit einer weitgehenden Vereinheitlichung (Uniformisierung) und detaillierten Reglementierung von Organisation, Inhalt und Methode des Schulunterrichts verbunden, wobei die für die kirchlich-ständische Epoche charakteristischen Freiräume pädagogischen Handelns für die nunmehr weisungsgebundenen, beamteten Lehrer schrittweise liquidiert werden.

  4. Als primäres Ziel des Schulunterrichts wird in den einschlägigen staatlichen Verordnungen und Gesetzen nicht so sehr die Heranbildung aufgeklärter, gebildeter Menschen und Bürger im Sinne der zeitgenössischen Reformpädagogik, sondern vielmehr die Erziehung folgsamer, brauchbarer Untertanen definiert, das Bildungswesen somit gezielt in den für die absolutistische Epoche charakteristischen Prozess der (Sozial-)Disziplinierung integriert.