Grundlegendes Charakteristikum der bildungsgeschichtlichen Epoche des Liberalismus (1848 bis 1918) ist die bewusste und zugleich begrenzte Lockerung der Verkoppelung von Bildung und Besitz. Darin begründet sind die folgenden charakteristischen Phänomene:
  1. In qualitativer Hinsicht wird im sekundären und im tertiären Bildungsbereich der Anschluß an die europäische Spitze gefunden, im primären Bereich der europäische Spitzenplatz erobert (K.G. Fischer: Das "Reichsvolksschulgesetz" machte "mit einem Schlage das österreichische elementare Schulwesen zum modernsten Europas").

  2. In quantitativer Hinsicht wird, was den primären Bildungsbereich in der cisleithanischen Reichshälfte angeht, der zweite Rang unter den europäischen Großstaaten erreicht (erster: Preußen, dritter: England) (135 schulbesuchende Kinder auf 1000 Einwohner; nach A.L. Hickmann).

  3. Dagegen bleibt im sekundären und tertiären Bildungsbereich aufgrund sozialpolitischer Vorgaben (Schul- und Studiengeld, Zulassungsbedingungen an Universitäten) die Verkoppelung von Bildung und Besitz bestehen.

    Zusätzlich zu diesem Phänomen der Verkoppelung in seinen verschiedenen Ausformungen stellt auch die - der staatlichen zivilen Verwaltung und militärischen Verteidigung an die Seite zu stellende - vereinheitlichende und einheitsstiftende Kraft der Bildung in einem weitausgedehnten, vom Bodensee bis zum Pruth reichenden Vielvölkerstaat ein Charakteristikum dar.