Die bildungsgeschichtliche Epoche des Republikanismus (seit 1918; die Zeit von 1933 bis 1945 wurde ausgeklammert) ist charakterisiert durch tiefgreifende Wandlungen im Bereich der Bildungspolitik und im Bereich der Bildungstheorie:
  1. Es wurden die politischen Voraussetzungen dafür geschaffen, daß Bildungsschranken abgebaut und damit allgemeine Höherbildung ermöglicht wurde. Der Abbau bestehender Bildungsschranken und die damit verbundene Realisierung eines egalitären Bildungsprinzips vollzog sich auf verschiedenen Ebenen: Das überkommene Gymnasium wandelte sich zu einer allgemeinbildenden höheren Schule (schulorganisatorische Ebene), das traditionelle Bildungsgefälle zwischen Stadt und Land wurde durch die Verdichtung des Schulnetzes gemildert (regionale Ebene), die Unentgeltlichkeit des Unterrichts und der Unterrichtsmittel zum Teil bis zur Universität brachte (mehr) Chancengleichheit (einkommenspolitische Ebene). Die von der Gesellschaft als notwendig akzeptierte Qualifizierung von Funktionseliten hat allerdings ein Auslesesystem zur Folge, das in höheren Schulen und Universitäten hohe Drop-out-Raten verursacht.

  2. Es kam zu einer Akzentverlagerung vom (vom Historischen zum Realistischen hin tendierenden) Pol "Objektivität der Inhalte" zum Pol "Subjektivität des Lernenden". Dies findet seinen Niederschlag in einer der Individualität und dem Entwicklungsgrad der SchülerInnen besser entsprechenden Unterrichtsgestaltung (etwa Gruppen- bzw. Arbeitsunterricht statt oder zusätzlich zu Frontalunterricht).